Schmuckproduktion
Hohlprägen am Fallhammer
Tradierung manufaktureller Arbeitstechniken
Schmuck gehört zu den ältesten Alltagsgegenständen der Menschheit und hat unabhängig von Alter, Geschlecht oder sozialer Herkunft für jeden von uns einen besonderen Wert. Wie aufwändig, extravagant oder teuer auch immer – nur selten machen wir uns Gedanken darüber, von wem und wie Schmuck eigentlich gefertigt wird. Welches Wissen und welche kunsthandwerkliche Geschicklichkeit sind bis heute erforderlich, damit nach vielen, oft unscheinbaren Arbeitsschritten z.B. aus schnödem Blech ein begehrtes Kleinod wird?
Die Dauerausstellung „Schmuckproduktion“ im Deutschen Technikmuseum Berlin vermittelt den Besucherinnen und Besuchern die eher schmucklose Arbeitsseite hinter der schmückenden Seite eines Produkts.
Nicht „Wie funktioniert die Maschine?“ ist die Ausgangsfrage, sondern „Wie fertigen Männer und Frauen noch heute Schmuck in Serie?“.
Dr. Gabriele Wohlauf, Leiterin des Fachgebiets Produktionstechniken, hat in Pforzheim und Umgebung in den vergangenen 25 Jahren ein Ensemble von Maschinen und Werkzeugen zusammengetragen und vor dem Verschrotten bewahrt, um aussterbende Verfahrenstechniken und das aussterbende Berufswissen der erfahrenen Expertinnen und Experten zu bewahren, zu erforschen, filmisch zu dokumentieren und somit für die Nachwelt zu erhalten.
Unterstützt wurde sie von zahlreichen Fachleuten aus der Schmuckbranche. Deren handwerkliches, technisches und künstlerisches Können und Erfahrungswissen, das größtenteils mündlich überliefert wird, hat den Aufbau der Ausstellung erst möglich gemacht.
Menschen, Maschinen und Produkte
Zwischenstand bei der Fertigung der Museumsbrosche. Das erhabene Relief ist eingeprägt, nun muss weiter verformt werden
Schmuck ist seit fast 120 Jahren nicht nur individuell gefertigtes Einzelstück, sondern in erster Linie massenhaft hergestelltes Produkt. Auf 200 qm erfahren Besucherinnen und Besucher viel Unbekanntes über die manufakturellen Produktionstechniken.
Im Zentrum stehen sieben Fertigungsbereiche: Prägen-Pressen-Stanzen, Ziehen-Walzen, Gießen, Schleifen-Polieren, Guillochieren-Gravieren, die Kettenherstellung und die handwerklichen Techniken des Goldschmiedeberufs. Heute wie noch Ende des 19. Jahrhunderts werden in dieser Kombination von Maschinen- und Handarbeit Armreifen, Ringe, Broschen, Creolen, Manschettenknöpfe, Serviettenringe und vieles mehr hergestellt.Die Vorführungen an teils historischen fuß-, hand- und elektrisch betriebenen Maschinen – dem Fallhammer mit einem sieben Tonnen schweren Schwung zum Hohlprägen, der Schleudergussanlage zum Gießen von unterschiedlichen Schmuckteilen und der Guillochiermaschine zum Dekorieren von glatten Oberflächen mit geometrischen Mustern – zeigen alle wichtigen Arbeitsgänge von der Formgebung bis zum polierten, finierten Schmuckstück.
DVD mit einzigartigem Dokumentationsmaterial
Mit dem Medium Film ließ sich das umfangreiche Fach-, Berufs- und Erfahrungswissen der Schmuckherstellerinnen und –hersteller aus Pforzheim, das diese in einem lebenslangen Lern- und Praxisprozess erworben haben, besonders gut dokumentieren.
Mit der Oral-History-Methode, dem authentischen Erzählen von Erlebtem, konnte Wichtiges aus den aussterbenden Berufszweigen für die Nachwelt bewahrt werden.
Diese bundesweit einmalige Art der filmischen Dokumentation von Museumsarbeit steht jetzt auf einer DVD mit dem Titel "Industriekultur Schmuck. Zeugnisse der manufakturellen Schmuckproduktion in Pforzheim" (Deutsch mit englischen Untertiteln, Verkaufspreis: 16.00 Euro, ab 15. August 2010 erhältlich an der Museumskasse) zur Verfügung.
Die 41 Beiträge - insgesamt fünfeinhalb Stunden Filmmaterial - gruppieren sich um die Themenbereiche:
- Menschliches Erfahrungswissen und lebendige Tradierung
- Aussterbende Berufe
- Schmuckmetropole Pforzheim
- Unternehmerpersönlichkeiten
- Spezialtechniken
- Jugendstilschmuck in der Rekonstruktion
In der Ausstellung sind alle 41 Einzelbeiträge an Medienstationen abrufbar.
Verfahrenstechniken
In sechs Tonfilmen können Sie verschiedene wichtige Verfahrenstechniken kennenlernen.
Schmuckmanufaktur Pforzheim
Filmdokumentation der manufakturellen Schmuckproduktion
Seit 1999 hat das Filmteam Smidak um Ernst Meyer die traditionsreiche Geschichte der manufakturellen Schmuckindustrie in und um Pforzheim dokumentiert. Entstanden sind Filme mit einer Gesamtlänge von knapp 200 Minuten, die für schwer hörende Menschen mit Untertiteln versehen, an einzelnen Medienstationen abrufbar sind...
Schmuck verbindet
Da bisher nur die künstlerische Seite von Schmuck im Interesse der (kunst-)historischen Forschung stand, geriet das Wissen um die ausgefeilten Verfahrenstechniken in der manufakturellen Schmuckproduktion in Vergessenheit. Als spezielles Fach- und Erfahrungswissen wurde es weder bewahrt noch weitervermittel...
Aktionstage "Moderner Schmuck - Enträtselung seiner Herstellung"
Aktionswochenende mit zahlreichen Vorführungen am 12. und 13. Juni 2010
SDTB-Medieninfo (PDF-Datei, 120 KB)
zu den Aktionstagen "Moderner Schmuck - Enträtselung seiner Herstellung"
