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Deutsches Technikmuseum - PM: Alles Zucker! Nahrung - Werkstoff - Energie

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

„Alles Zucker! Nahrung – Werkstoff – Energie“

Zucker ist weit mehr als nur ein Süßungsmittel: Das Deutsche Technikmuseum gibt mit einer thematisch erweiterten Ausstellung dem Zucker-Museum eine neue Heimat

Ab 26. November 2015

Die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, wurde schon vielfach gestellt und ebenso oft unter-schiedlich beantwortet. Das Deutsche Technikmuseum gibt mit seiner neuen Dauerausstellung „Alles Zucker! Nahrung – Werkstoff – Energie“ auf 800 Quadratmetern eine überraschende Antwort:
Unsere Welt besteht aus Zucker!

Zucker ist weit mehr als das bekannte Süßungsmittel, das aus Rübe oder Rohr gewonnen wird. Neben Haushaltszucker, Fruchtzucker, Traubenzucker und Milchzucker gibt es noch unzählige andere.
Zucker sind die häufigsten Biomoleküle auf dieser Welt, ohne die es kein Leben gäbe. In der belebten Natur spielen Zucker eine zentrale Rolle. Zucker sind gespeicherte Sonnenenergie. Alle Pflanzen bestehen aus dem polymeren Zucker Zellulose und speichern Energie hauptsächlich in Form von Stärke. Insekten und Krebstiere verdanken die Formstabilität ihrer Außenskelette dem Zuckermolekül Chitin.
Zucker sind die Grundlage vieler spezieller Funktionen auch im menschlichen Körper. Seit jeher dienen Zucker dem Menschen als Nahrung und er nutzt sie als Werkstoff und zur Energiegewinnung. Der Informa-tionsgehalt von Zuckerverbindungen eröffnet neue Wege in der Medizin.
Neben den klassischen Aspekten des ehemaligen Zucker-Museums (1904 bis 2012 in Berlin-Wedding), das sich der Produktion, Verwendung und Sozialgeschichte von Rohr- und Rübenzucker widmete, wird das Thema Zucker in der jetzt eröffneten Ausstellung aus vielen neuen Blickwinkeln beleuchtet.

Entdeckungsreise in die vielfältige Welt der Zucker

Eine 1,80 Meter große japanische Riesenkrabbe, Baumscheiben, Riesenpilze und nahezu 80 verschiedene Zucker eröffnen die Entdeckungsreise in die vielfältige Welt der Zucker. Zellulose, der Hauptbestandteil des Holzes, ist aus vielen einzelnen Zuckermolekülen aufgebaut – der größte Teil der Biomasse besteht somit aus Zuckern. Selbst die Panzer von Insekten, Spinnen oder Krebstieren bestehen aus polymeren Zuckern. Mit diesem Außenskelett produzieren zum Beispiel Grillen, Fauchschaben oder Vogelspinnen auf unterschiedliche Weise Geräusche. Die Medienstation „Chor der Krabbeltiere“ macht Zucker sozusagen hörbar.

Das klassische Zuckerthema: Vom Luxusgut zum Alltagsprodukt

Der damals exotische Ursprung des zunächst ausschließlich aus Zuckerrohr hergestellten Luxusguts und die damit verbundene Sklavenwirtschaft werden ebenso thematisiert wie die Einführung des Rübenzuckers in Europa. Die Veränderung der Feldarbeit – von körperlich anstrengender Handarbeit zur industrialisierten Landwirtschaft – veranschaulichen die verwendeten Geräte und Maschinen. Arbeitswerkzeuge wie Rodespaten oder Rübensichel stehen einem Teil eines modernen Vollernters zum Köpfen und Roden der Rüben gegenüber. Die Weiterverarbeitung des Rohstoffs Zuckerrübe zum kristallisierten Haushaltszucker in der Zuckerfabrik kann anhand von Proben der verschiedenen Verarbeitungsstufen nachvollzogen werden.

Neue Blickwinkel: Werkstoffe, Energie und Information

Von lang bekannten Werkstoffen wie Holz und Textilien spannt sich der Bogen bis hin zu modernen „Biokunststoffen“, die nicht nur biologisch abbaubar sind, sondern auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Ein 3D-Drucker veranschaulicht die werkstofflichen Möglichkeiten solcher Materialien.
Zucker können auch im Bereich Energie das Erdöl ersetzen. Was Bioenergieträger wie Holzpellets, Biogas, Ethanol und sogar Biodiesel mit Zuckern zu tun haben, wird auch für Laien nachvollziehbar aufgeschlüsselt.
Der wichtigste Treibstoff im menschlichen Körper ist der Blutzucker, also im Blut gelöster Traubenzucker. In der Regel decken wir diesen Zuckerbedarf mit Kohlenhydraten, unser Körper kann ihn aber auch aus anderen Nährstoffen herstellen. Wie Traubenzucker aus der Nahrung gewonnen und der Zuckerhaushalt des Körpers reguliert wird und wie Zutatenlisten und Nährwerttabellen zu entschlüsseln sind, verrät eine mannshohe Monitorinstallation mit 13 röntgenbildartigen Animationen.
An jeder unserer Körperzellen hängen viele Zuckerketten. Dieser „Zuckerpelz“ enthält Informationen, die auch Krankheitserreger lesen können. Ein wichtiger Schritt zur Erforschung und Nutzung des Zucker-Codes ist die künstliche Herstellung komplexer Zuckerketten als Grundlage neuer Medikamente. Der Original-Prototyp eines inzwischen serienreifen Gerätes steht beispielhaft für Aktualität und den Blick in die nahe Zukunft.

Zeitreise für die Ohren

An 17 Hörstationen erläutern historische Persönlichkeiten und lebende Zeitgenossen ihren Bezug zum Zucker. Hier äußern sich der Entdecker des Zuckers in der Rübe, Andreas Sigismund Marggraf (1709 – 1782), und Franz Carl Achard (1753 - 1821), der „Vater der Zuckerrübe“, neben einer Teilnehmerin eines „Damenkurses“ für Fabrik-Chemikerinnen (1917). Der Besitzer einer Zuckerrohrplantage zu Beginn des 17. Jahrhunderts kommt ebenso zu Wort wie der Führer des Sklavenaufstandes von Haiti (1791). Aber auch moderne Werkstoffwissenschaftler vom Max-Planck-Institut oder der technische Leiter der BSR Biogasanlage nehmen Stellung.

Tradition und Zukunft in drei Kabinetten

Die wertvolle Tafelsilber-Sammlung des Zucker-Museums sowie vielfältige Präparate aus der historischen Lehrsammlung des Instituts für die Zuckerindustrie werden hier ansprechend präsentiert. Ein drittes Kabinett stellt ungewöhnliche Bioreaktoren vor, in denen Mikroorganismen aus Zucker Biotreibstoffe produzieren.

Weddinger Wurzeln

Das Zucker-Museum wurde am 8. Mai 1904 im gerade neu errichteten Gebäude des Instituts für Zuckerindustrie in der Amrumer Straße 32 eröffnet. Es diente vor allem als Lehr- und Studiensammlung, hatte aber von Anfang an auch das Ziel, historisch bedeutsame Objekte der Zuckerindustrie zu sammeln und auszustellen. Ende 2012 wurde das Zucker-Museum am historischen Standort in Berlin-Wedding geschlossen. Seine Traditionslinie wird in der modernisierten und um viele Themenbereiche erweiterten Ausstellung „Alles Zucker! Nahrung – Werkstoff – Energie“ des Deutschen Technikmuseums fortgeführt.

Die Ausstellung wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung der LOTTO-Stiftung Berlin.

Wir danken dem Fördererkreis Zucker-Museum e.V. für die langjährige Unterstützung.


Links mit weiteren Informationen zur Dauerausstellung:

http://www.sdtb.de/Alles-Zucker.2504.0.html
und:
http://www.sdtb.de/Sugars-and-Beyond.2508.0.html

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    MI: "Alles Zucker! Nahrung - Werkstoff - ...

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    Flyer: Alles Zucker!

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    MI: Eckdaten zum Zucker in Berlin

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    Impressum zur Ausstellung: Alles Zucker!

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    Beitrag "Museumsjournal": Alles Zucker!

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    MI: SDTB - Zahlen, Daten und Fakten

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    MI: Chronik - Deutsches Technikmuseum

  • Die Dauerausstellung "Alles Zucker! Nahrung - Werkstoff - Energie" zeigt auf 800 qm, dass Zucker viel mehr ist als das bekannte Süßungsmittel: Unsere Welt besteht aus Zucker!

    Collage zur Ausstellung

  • Die Dauerausstellung "Alles Zucker! Nahrung - Werkstoff - Energie" zeigt auf 800 qm, dass Zucker viel mehr ist als das bekannte Süßungsmittel: Unsere Welt besteht aus Zucker!

    Collage zur Ausstellung

  • Einen Zuckerhut nannte man damals auch "Brod". Der Begriff "Ungeblaut" gibt an, dass kein Ultramarinblau zur optischen Aufhellung hinzugefügt wurde. E. O. von Lippmann, geistiger Gründungsvater des Zucker-Museums, war von 1885 bis 1889 Direktor in Rositz.

    Zuckerhut aus der Zuckerraffinerie Rositz (bei Altenburg), ...

  • Der Panzer einer Languste besteht hauptsächlich aus Chitin. Es ist das zweithäufigste Biopolymer auf Erden und auch eine Zuckerverbindung.

    Häutungshülle einer Languste

  • In Deutschland erfand Eugen Langen 1872 ein Verfahren, bei dem verkochte Raffinade in Plattenformen gegossen und in einer Zentrifuge geschleudert wurde. Fabrikarbeiter sägten dann die so entstandenen Blöcke zu Würfeln. Heute erfolgt die Herstellung maschinell aus losem, gepresstem Zucker.

    Guss-Würfelverfahren von Würfelzucker in der Zuckerfabrik Elsdorf/Rheinland

  • In diesen Bioreaktoren produzieren Cyanobakterien Ethanol aus Meerwasser und Kohlenstoffdioxid mittels Sonnenlicht.

    Bioreaktoren in Fort Myers, Florida, 2015

  • Unter Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit ist Holz verformbar. So lassen sich auch komplexe Strukturen wie dieser Korpus einer Violine herstellen. Aus der Meisterwerkstatt für Streichinstrumente von Eduardo Valdivia Rivera, Berlin.

    Korpus einer Violine, 2015

  • Das Trennen des Rübenkopfes vom Blattwerk war eine typische Frauen- oder sogar Kinderarbeit. Ab den 1960er Jahren wurde dieser Arbeitsschritt zunehmend mechanisiert.

    Sichelmesser zum Rübenköpfen, Bockenem/Harz, 1926

  • Zuckerhüte wurden seit dem Mittelalter zunächst durch das Zerschlagen mit einem Zuckerhammer zerkleinert. Die groben Zuckerstücke wurden dann in passende Portionen geschnitten.

    Verschließbarer schwedischer Zuckerkasten mit Zuckerhutmesser, Holzsieb und ...

  • Bei dieser Drei-Walzen-Zuckerrohrmühle sorgte noch Muskelkraft für den Antrieb. Heute werden leistungsstarke, maschinengetriebene Walzen eingesetzt.

    Drei-Walzen-Zuckerrohrmühle aus Holz, Bolivien, um 1700

  • Polarimeter dienen zur Bestimmung der optischen Drehung und erlauben so zum Beispiel die Bestimmung des Zuckergehaltes.

    Kreispolarimeter, Hersteller Schmidt & Haensch, Berlin, 1890

  • Kolorierter Stahlstich aus E. Schenk: "Atlas der vorzüglichen Handelspflanzen", Tafel XXX, um 1830

    Zuckerrohr (Saccharum officinarum L.)

  • Die Zuckerverbindung Chitin ist ein entscheidender Bestandteil des Außenskeletts des größten Krebses der Erde - diese Krabbe hat einen Durchmesser von 1,80 m. Auch die Panzer von Spinnen und Insekten bestehen aus polymeren Zuckern.

    Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi), Trockenpräparat

  • Zwei große Maschinenteile für die im Aufbau befindliche Dauerausstellung "Alles Zucker! Werkstoff - Nahrung - Energie": Schlegler und Roder eines modernen Rübenvollernters (Gesamtlänge 15 Meter) der Holmer Maschinenbau GmbH.

    Teil eines modernen Rübenvollernters

  • Zuckerfabrik-Chemikerinnen werden über physikalische Grundprinzipien der Polarimetrie (Bestimmung des Zuckergehalts) unterrichtet. Links ein Modell der Drehung der Ebene des polarisierten Lichts, rechts zwei Funktionsmodelle eines Polarimeters.

    Praktischer Unterricht im Institut für Zuckerindustrie, Berlin-Wedding, ...

  • Wilhelm Raatz, Saatzuchtleiter in der Zuckerfabrik Klein Wanzleben, zeichnete die verschiedenen Zuchtrichtungen der Zuckerrübe. Das "Z" steht hier für "zuckerreich".

    Zuckerrübe Z-Richtung, Aquarell von Wilhelm Raatz, um ...

  • Rohrzucker kam als unverarbeitete Masse in Fässern und Kisten nach Europa. Dort wurde er in Zuckersiedereien, überwiegend in Hafenstädten wie Antwerpen, Amsterdam oder Bristol, gereinigt.

    Zuckerfracht am Bristol-Kai, Stahlstich, 1839

  • 1791 riefen die Anti-Saccaristen wegen des Sklavenhandels in den westindischen Kolonien zum Zuckerboykott auf. "Anti-Saccarites" zeigt Georg III. (1738-1820), König von England, mit Gemahlin Charlotte und den Töchtern beim Tee - ohne Zucker.

    James Gillray: Anti-Saccarites (Radierung, koloriert), 1792

  • Achard (1753 bis 1821) ist "der Vater der Zuckerrübe". 1801 ließ er in Cunern / Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik der Welt erbauen.

    Franz Carl Achard, Bronzebüste von Ferdinand Lepcke, ...