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Deutsches Technikmuseum Berlin - Medieninfo: Heinkel He 162

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Die Stiftung umfaßt sechs Standorte:

Das Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945 –

Beispiel für militärisches Wunschdenken contra Kriegsrealität

Pressekonferenz:
Di., 27.09.11, 11.00 Uhr
Neubau, 4.OG
Akkreditierung: http://anmeldung.sdtb.de/11

Das Deutsche Technikmuseum präsentiert ab 27. September 2011 einen historisch äußerst wertvollen Neuzugang in der Luftfahrtausstellung. Mit großzügiger Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin erwarb das Museum eine Heinkel He 162, Baujahr 1945. Es ist die einzige Maschine dieses Typs in Deutschland; weltweit existieren insgesamt sieben Stück.

Der „Volksjäger“ He 162

In der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs sollte die auch als „Volksjäger“ bezeichnete He 162 als Abfangjäger gegen die massenhaft nach Deutschland einfliegenden Bomber der Alliierten zum Einsatz kommen. Die Maschine war einerseits ein Hochleistungsjet, dessen Düsentriebwerk Fluggeschwindigkeiten von über 800 km/h ermöglichte. Sie war zugleich ein „Wegwerf“flugzeug, das fast zur Hälfte aus Holz bestand und ohne großindustriellen Aufwand hergestellt wurde. Die He 162 verdeutlicht wie kaum ein anderes Flugzeug die menschenverachtende Ideologie des nationalsozialistischen Systems: Hastig in wenigen Wochen entwickelt, überwiegend von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen gefertigt, sollte die fliegerisch schwer zu handhabende und unausgereifte Maschine von kurzfristig ausgebildeten Hitlerjungen geflogen werden.

Die ausgestellte He 162 flog vermutlich nur wenige Kriegseinsätze. Im Mai 1945 erbeutete die britische Armee die Maschine in Schleswig-Holstein. Piloten der Royal Air Force führten mit ihr einige Testflüge in Großbritannien durch, bevor sie im Sommer 1946 auf dem Seeweg nach Kanada transportiert und 1964 vom Militär an die National Aeronautical Collection in Ottawa abgegeben wurde. Durch einen Tausch gelangte die Maschine 2006 in den Besitz eines britischen Flugzeugenthusiasten. Nach 66 Jahren, im Juni 2011, kehrte sie nach Deutschland zurück und schließt nun die letzte bestehende Lücke in der Luftfahrtausstellung des Deutschen Technikmuseums. Schon im Konzept für die 2005 eröffnete Ausstellung „Vom Ballon zur Luftbrücke“ war die Heinkel He 162 als aussagekräftiges Originalobjekt für eine kritische Auseinandersetzung mit den angeblich kriegsentscheidenden „Wunderwaffen“ vorgesehen.

Luftkrieg über Deutschland 1944

Ab Mitte 1944 setzte sich in der politischen und militärischen Führung des NS-Regimes die Überzeugung durch, dass der immer deutlicher werdenden quantitativen Überlegenheit der Alliierten nur durch eine qualitative Überlegenheit entgegen gewirkt werden könnte und der deutschen Luftwaffe hierbei eine kriegsentscheidende Rolle zufiele.

Die Luftangriffe der Alliierten zerstörten mehr und mehr die Verkehrswege und die Produktionsstätten der deutschen Rüstungsfirmen. Mit dem massenhaften Einsatz leistungsstarker, leicht zu produzierender Kleinstjäger sollten die feindlichen Bomber bekämpft und eine Wende im Kriegsverlauf herbeigeführt werden.
Knappe Rohstoffe, fehlende Arbeitskräfte, drastisch zurückgehende Produktionskapazitäten und eine extreme Treibstoffknappheit machten dieses Vorhaben allerdings von Anfang an zu einem aussichtslosen Unterfangen.

Produktion und Einsatz der He 162

Am 20. September 1944 erhielt Ernst Heinkel den Bauauftrag für ein neuartiges Jagdflugzeug. Nur zehn Wochen später erfolgte am 6. Dezember 1944 der Erstflug der He 162. Das Flugzeug hatte Kurzstarteigenschaften und war mit mehr als 800 km/h deutlich schneller als die alliierten Kampfflugzeuge. Bei der Konstruktion kamen wegen der Rohstoffknappheit Ersatzstoffe zum Einsatz. So wurden etwa die Tragflächen und Teile des Leitwerks – statt wie üblich aus Leichtmetall - aus Holz gefertigt.
Die Produktion dieser „Wunderwaffe“ war nur durch den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen möglich, die zum Kriegseinsatz eingezogene deutsche Facharbeiter ersetzen und unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Im Januar 1945 wurden die ersten Serienmaschinen ausgeliefert; bis Kriegsende allerdings weniger als 200 Stück statt der geplanten mehreren Tausend.

Als die ersten Maschinen schließlich im März 1945 bei der Luftwaffe zum Einsatz kamen, standen noch erfahrene Piloten zur Verfügung. Für den angestrebten Masseneinsatz waren es jedoch zu wenige. Deshalb plante die militärische Führung, Hitlerjungen nach einer kurzen Segelflugausbildung auf den „Volksjäger” umsteigen zu lassen. Dieses verantwortungslose Vorhaben wurde glücklicherweise bis Kriegsende nicht mehr umgesetzt. Militärisch blieb das ehrgeizige Projekt somit ohne Wirkung.
Der Krieg war im Frühjahr 1945 längst verloren. Das musste leitenden Militärs, Technikern und Wirtschaftsführern klar sein. Der größte Teil der Verantwortlichen wagte den Widerstand nicht – zu Lasten weiterer unnötiger Opfer.

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    Datenblatt Heinkel He 162

  • Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

    Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

  • Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

    Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

  • Einbringung der Heinkel He 162 ins Deutsche Technikmuseum

    Einbringung der Heinkel He 162

  • Einbringung der Heinkel He 162 ins Deutsche Technikmuseum

    Einbringung der Heinkel He 162

  • Einbringung der Heinkel He 162 ins Deutsche Technikmuseum

    Einbringung der Heinkel He 162

  • Einbringung der Heinkel He 162 ins Deutsche Technikmuseum

    Einbringung der Heinkel He 162

  • 8. Mai 1945 in Leck (Schleswig-Holstein). Maschinen, die an die Engländer übergeben wurden.

    Heinkel He 162

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    Das Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

  • Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945

    Hochleistungsflugzeug Heinkel He 162 von 1945